Vor 31 Jahren haben Sie DER KREIS als mittelständischen Küchenverbund gegründet. Ahnten Sie damals, dass sich die Küche als Tempel der Genüsse unentbehrlich machen würde?
Ernst-Martin Schaible: Gewusst habe ich es nicht, aber darauf hingearbeitet. Zu unserem Verbund gehören heute 2.216 Mit glieder in acht europäischen Ländern. Das ist geballte Kompetenz der Branchenbesten, Leidenschaft, Freude an Visionen. Wir Küchenspezialisten haben in Zusammenarbeit mit der Industrie das Gesicht der modernen Küche maßgeblich beeinflusst.
Was haben Küchenspezialisten anderen Mitbewerbern voraus?
Ernst-Martin Schaible: Den Ehrgeiz und die Kompetenz, bei jedem Auftrag das entscheidende Stück besser zu sein als andere. Dass Küchenspezialisten zum Vorteil ihrer Kunden die wirtschaftliche Kraft eines starken, europaweit agierenden Verbunds in die Waagschale legen können, garantiert schon mal Wettbewerbsvorteile. Vor allem aber sind unsere Mitglieder oft über Generationen in ihrer Heimatregion verwurzelte Familienbetriebe. Denen das Vertrauen ihrer Kunden, ihr Ruf für untadelige Qualität der Planung und Ausführung als die alles entscheidende Währung gilt. Es ist diese besondere persönliche Nähe zu den Kunden, die oft den Ausschlag gibt.
Nicht der Preis?
Ernst-Martin Schaible: Allein den Preis zum Maßstab eines Küchenkaufs zu machen, ist riskant. Einerseits geht es um eine hoch emotionale Entscheidung, die andererseits aber eine sorgfältige individuelle Beratung und fachkundige Planung voraussetzt, um wirklich glücklich zu machen. Wenn man bedenkt, wie sehr die Küche viele, viele Jahre lang die tägliche Lebensqualität und Wohnlust unmittelbar mitbestimmt, dann ist allein das schon ein guter Grund, sich an einen Küchenspezialisten zu wenden. Wer sich des Geldes wegen von knall roten Rabattprozentversprechen verleiten lässt und nur Preis mit Preis vergleicht, wird sich spätestens beim tagtäglichen Gebrauch eingestehen müssen, eine voreilige Entscheidung getroffen zu haben. Küchenspezialisten schlagen ihre Mitbewerber nicht im Unterbieten des geringsten Preisangebots, sondern im Übertreffen der besten Leistung. Genau das schätzen unsere Kunden.
KLARER ANSPRUCH: AM MARKT AKZENTE SETZEN
Sie haben zum 30-jährigen Jubiläum von DER KREIS gemeinsam mit dem Präsidenten des Bunds Deutscher Innenarchitekten, Prof. Rudolf Schricker, einen Wettbewerb unter Designstudenten der Hochschule Coburg zur Küche von morgen initiiert, der zu wunderbar visionären Ergebnissen führte. Wollen Sie damit Ihren Vorsprung wahren, auf dem Küchenmarkt selbst stärker Akzente setzen?
Ernst-Martin Schaible: Auch das. Gute Küchenplanung ist für uns heute schon mehr als ein Zusammenfügen von Möbeln und Technik. Kochen und Essen sind emotionale Vorgänge, die Küche liefert dafür die Bühne, auf der die Akteure ihr Stück spielen. Und sie ist selbst Sinnes eindruck: Licht, Akustik, Feeling, Geruch, Geschmack ermöglichen ein Sinnesrauschen, das die Lust auf Küche steigert. Diese Lust auf einen Trend zu reduzieren, wäre falsch, wie uns die Studenten mit ihren Entwürfen bestätigen. Wir werden diese Kooperation mit der Hochschule Coburg fortsetzen. Küche ist kein Trend, sie ist Lebensart.
Die Küche als Mittelpunkt des Familienlebens wiederzuentdecken wirft die Frage auf, wie uns dieser Mittelpunkt überhaupt abhandenkommen konnte.
Ernst-Martin Schaible: Das hat vor allem mit unserer zeitweise überbordenden Neigung zu einseitig praktischen, zeitsparenden, rationalen Lebenslösungen zu tun. Eine zunehmend städtisch geprägte Wohnarchitektur, die auf immer knapperen Flächen immer rationeller mit Quadratmetern umgehen muss, neigt ihrem Wesen nach zum Standard, zur immer einfacheren, möglichst gleichen und billigen genormten Einheitsküche. Dass sich viele ganz andere, genussfreundlichere Lösungen wünschen, liegt auf der Hand.
Großformatige Wohnküchen?
Ernst-Martin Schaible: Zum Beispiel. Sie werden aus gutem Grund immer beliebter. Die stilistischen Vorgaben der offenen Küche prägen dabei den gesamten Wohnraum stärker, als der Begriff „Wohnküche” vermuten lässt. Sie ist ja nicht nur wegen ihres Geldwertes, sondern wegen ihres hohen Stellenwertes für die schönen Seiten häuslichen Lebens die Nummer 1.
Ist die Offenheit dieser neuen Küchen der Grund dafür, dass man sie als angenehm kommunikativ lobt?
Ernst-Martin Schaible: Genau betrachtet ist es die moderne Neuorganisation der Abläufe. Wenn der oder die in der Küche Arbeiten de seinen Lieben und/oder Gästen nicht den Rücken zudrehen muss, sondern sich ihnen auch beim Kochen zuwenden kann, ist das für alle angenehmer.
BÜHNE FÜR DIE INSZENIERUNG DER NEUEN GOURMETS
Drängen sich immer mehr Männer an den Herd, weil ihnen die modern offenen Küchen die Chance eröffnen, sich auf dieser Bühne als leidenschaftliche Gourmets in Szene zu setzen?
Ernst-Martin Schaible: Ist das nicht fantastisch?! Wenn sie alles, was vorher Arbeitslast war, so angenehm in Lebenslust wandeln können, werden die
Küchenspezialisten Nationalhelden. Diese neue Lust auf Küche, auch die männliche, resultiert doch nicht allein aus der ästhetisch schönen Form. Das
wirklich Schöne an den neuen Küchen ist, dass sie modernes Design mit praktischer Organisation der entscheidenden Arbeitsabläufe und mit der hilfreichsten Küchentechnik verbinden, die es je gab. Mit Hightech, wie zum Beispiel den Kombigeräten, können auch Laien dampfgaren, kochen und backen wie Profis – und das energiesparender, gesünder, schmackhafter denn je.
„LIFTING” ALTER KÜCHEN IST OFT EINE CLEVERE ALTERNATIVE
Mit der Küche ist es wie beim Auto: Man könnte technisch endlos hochdrehen. Was macht Sinn? Worauf lässt sich am schmerzlosesten verzichten?
Ernst-Martin Schaible: Auf alle Energiefresser. Wir empfehlen prinzipiell Markengeräte der besten Energieeffizienz. Die richtige Geräteauswahl und - platzierung ist einer der wichtigsten Punkte gu ter Küchenberatung und -planung.
Die Technik veraltet schon energetisch schneller als die Küche selbst?
Ernst-Martin Schaible: Das ist der Grund, weshalb das von den Küchenspezialisten entwickelte „Lifting”-Konzept so gut bei den Kunden ankommt. Wer seine Küche lieb gewonnen hat, wie sie ist, muss dennoch nicht auf den Komfort zeitgemäßer Technik verzichten: Es wird nur ausgetauscht und modernisiert, was erneuert werden soll. Dieses Herangehen kann den Aufwand und die Kosten gemessen an einer Neuanschaffung erheblich reduzieren.
Was steht in der Kundengunst derzeit stilistisch ganz oben?
Ernst-Martin Schaible: Wer heute eine Küche kauft, hat einen hohen ästhetischen Anspruch. Modern, puristisch, reduziert, einfache klare Formen und Linien. Küchen, die Wertbeständigkeit und zeitloses Designs vereinen.
Und bei den Farben: … Weiß?
Ernst-Martin Schaible: Seit Jahren ein Megatrend. Weiß wirkt immer, weil es Makellosigkeit, Sauberkeit und Frische signalisiert.
Was verlangen Sie von einer guten Küche?
Ernst-Martin Schaible: Qualität, Dauerhaftigkeit, Ehrlichkeit. Wer eine Küche plant, muss sich mit ihren technischen und ästhetischen Möglichkeiten auseinandersetzen wie mit ihren sozialen Vernetzungen. Mit diesen Ansprüchen ist man bei einem Küchenspezialisten von DER KREIS immer an der richtigen Adresse.
Interview: Peter Döring/Peter Neumann

Ernst-Martin Schaible, Gründer und Geschäftsführender Gesell-
schafter des Verbunds DER KREIS